Textversion

Veränderungen für das Stift Steterburg

Zur Zeit der Reformation lebten im Stift sechs bürgerliche Jungfrauen unter der Leitung der Domina Katarina Binder.

Die Klosterjungfrauen sollten "allezeit ehrbarer und schlechter, doch fein und reinlicher Kleider sich gebrauchen", keine kostbaren Perlen, Kleinodien, Spitzen oder Borten, wie auch "keine krausen Haare" tragen. Das Gelübde der Keuschheit wurde aufrecht erhalten, aber nicht das der Ehelosigkeit, "damit sie nachmals in dem heiligen Ehestande gleicher Gestalt auch Kinder auffziehen könten."

Anstatt die lateinische Messe zu zelebrieren, wurde jetzt deutsch gepredigt und das meiste, was im Stift an katholischen Kultgeräten vorhanden war, wie Rosenkränze, Reliquienschreine und die prächtig geschmückten Heiligenfiguren, aber auch die "papistischen" Bücher der Klosterjungfrauen, fortgeschafft. Die Abendmahls- und Taufgerätschaften, die Altarleuchter und Decken, die vergoldeten Kelche, Patenen und Oblatendosen blieben. Während des 30-jährigen Krieges wurde der Kirchenschatz nach Braunschweig in Sicherheit gebracht, vieles davon aber aus Geldmangel versetzt. Vor der 1627 erfolgten Zerstörung des Stifts waren auch die Konventualinnen in die Stadt evakuiert worden. Jahrzehnte lebten sie in Braunschweig in einem stiftseigenen Haus. Erst ab der 50er Jahre des 17. Jahrhunderts begann der langsame Wiederaufbau der Klostergebäude. In den 60er Jahren wurden provisorische Wohnungen für die Konventualinnen und in dem 1627 völlig ausgebrannten sogenannten "alten Kloster" ein Gottesdienstsaal eingerichtet. 1667 kehrte der Konvent nach Steterburg zurück und am 21. November 1672 wurde auf Befehl Herzog Anton Ulrichs Hedwig Maria von Oberg als Domina eingeführt.

1676 unterhielt das Kloster sechs bürgerliche Jungfrauen. Wenig später stammte indes jede neu aufgenommene Konventualin aus dem Adel, darunter zwei Nichten der Domina, Clara Marie und Mette Marie von Oberg. Als 1691 das adelige "Frey-Welt-Stift" Steterburg gegründet wurde, befand sich keine Bürgerliche mehr im Konvent.

Margot Ruhlender