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Biographisches

Nikolaus Decius, um 1485 im bayerischen Hof geboren, besuchte die dortige Lateinschule und studierte von 1501 bis 1506 an der Universität von Leipzig, wo er sich bis 1518 aufhielt. Als sich seine Hoffnung auf eine Lehrerstelle in Zwickau zerschlug, ging er 1519 nach Steterburg, wo er 1521 eine "Sumula", ein biblisches Merkbüchlein mit Evangelienkommentaren und Merkversen verfasste.

Obwohl die "Sumula" reformatorisches Gedankengut aufgriff, widmete er sie der Domina Elisabeth, "seiner untadeligen Vorsteherin und immer günstigen Herrin", die wie ihr Bruder der Reformation ablehnend gegenüber stand.

Decius verließ wenig später Steterburg, legte seinen latinisierten Namen ab und trat zum protestantischen Glauben über. Nach einem kurzen Aufenthalt in Hannover wurde er 1522 unter seinem Geburtsnamen Nikolaus Te(a)ch Lehrer im "Schul-Collega" an der St. Katharinen- und Ägidienschule in Braunschweig.

Hier schrieb er die drei "schönen teutschen Gesänge": "Allein Gott in der Höh' sei Ehr'", "O Lamm Gottes unschuldig" und "Heilig ist Gott der Vater". Sie gelten als die ältesten evangelischen Kirchenlieder Deutschlands. "Und derweil er ein vortrefflicher Musicus gewesen, der auf der Harffen sehr wohl spielen können, so habe er zugleich auch die Gesänge in die noch gewöhnliche anmuhtige Melodeyen gebracht."

Die Lieder erschienen in niederdeutscher Sprache, das erste 1526, das zweite und dritte 1531. Die beiden ersten Lieder wurden auf hochdeutsch und mit Noten versehen 1539 in Leipzig gedruckt und gehören bis heute zu den Hauptgesängen der evangelischen Kirche. Das dritte Lied verschwand allmählich aus dem Kirchengebrauch.

1523 ging Decius zu theologischen Studienzwecken nach Wittenberg und siedelte Ende der 20er Jahre des 16. Jahrhunderts nach Ostpreußen über. In die Stadt Braunschweig, die sich 1528 als protestantisch reformiert erklärte, ist er nicht wieder zurückgekommen.

Bildung

Die "Sumula", das einzige von Decius erhaltene literarische Zeugnis, war als geistiges Rüstzeug zum internen Gebrauch für die Steterburger Stiftsjungfrauen gedacht, deren Leben vom Dienst an Gott, dem Chorgesang und dem Verfertigen weiblicher Handarbeiten geprägt war. Das kostbare Steterburger Osterkissen, ein Bestandteil der feierlichen liturgischen Prozession zum Osterfest, entstand um 1500. Es handelt sich um Reliefstickerei aus farbiger Seide mit Gold- und Silberfäden und ist mit zahlreichen Flussperlen sowie Halbedelsteinen besetzt. Die Stickerei stellt in der Mitte den Auferstandenen dar, wie er dem Sarkophag entsteigt. Zwei Engel stehen unter ihm. Über ihm sind der heilige Franziskus und Maria als Zeugen der Auferstehung abgebildet.

Außer den Handarbeiten wurde auch dem Studium religiöser Schriften großer Wert beigemessen. Im Besitz des Stifts Steterburg befand sich das in mittelnieder-deutscher Sprache verfasste "Bedebok", ein Gebetbuch, das um 1487 in Lübeck gedruckt worden war. Es ist eines von drei bekannten vollständigen Exemplaren und behandelt Stundengebete, Heiligenlitaneien, Traktate über die Beichte, vom Leiden Christi und von der Kunst zu sterben, der "Kunst aller Künste."

Eine beliebte niederdeutsche Erbauungsliteratur des ausgehenden Mittelalters waren auch "Die sieben Todsünden". Bereits um 1420 war ein Gedicht entstanden, dass das Klosterleben pries, gegen die reichen Stifte und hohen kirchlichen Würdenträger polemisierte und für die Niedrigen und Unterdrückten eintrat. Hauptthema dieser Allegorie war der Kampf der sieben Todsünden Hochmut, Geiz, Neid, Zorn, Trägheit, Völlerei und Wollust mit den entsprechenden Tugenden, Motive, die in der mittelalterlichen Morallehre eine besonders wichtige Rolle spielten. Sie gehörten zu den am häufigsten und am vielfältigsten dargestellten Lehrstücken des Spätmittelalters.

Das Steterburger Exemplar der "sieben Todsünden", eines von fünf bekannten, ist ein unvollständiger Sammelband mit 15 Holzschnitten. In der Form des Kampfes reiten einzelne Tugenden gegen die Todsünden ins Feld.

Das Steterburger "Büchlein von der Liebe Gottes" ist ein kleines Werk, das in einer volkstümlichen Weise deutsch bearbeitet wurde, auf einer lateinischen Vorlage beruht und in Lübeck auf niederdeutsch 1497 entstand. Es behandelt in zweiundzwanzig Kapiteln in Form geistlicher Anweisungen die Liebe Gottes zu den Menschen, wobei gelegentlich auf Augustinus als Autorität hingewiesen wird.

Mehrere handschriftliche Bemerkungen wurden um 1500 an den Rand geschrieben: merk dit, merk wol, mercke augustinum, kurze lateinische und niederdeutsche Erklärungen sowie längere Anmerkungen zum Beispiel über das Fegefeuer. Dies lässt auf eine intensive theologische Auseinandersetzung der Konventualinnen in den Jahren vor der Reformation schließen.

Margot Ruhlender